Erfahrungsbericht: Oldtimer-Camper-Ausbau
Wie aus dem Überwachungsfahrzeug MB 210 der gemütliche Camper Guschdl wurde
Die Sonne scheint, die Luft riecht nach Salz, Pinien und Freiheit. Fenster runterkurbeln, gemütlich an der Küstenstraße entlang tuckern, spontan anhalten, ins Meer hüpfen und den Abend am Lagerfeuer ausklingen lassen. Irgendwie war er schon immer da – dieser Traum: einen Oldtimer zum Camper auszubauen und damit ganz unbeschwert durch Europa zu reisen.
Dass die Realität nicht immer ganz so romantisch ist, war mir klar – aber ehrlich gesagt egal. Ich spürte diese kribbelige Vorfreude und hatte einfach richtig Lust auf dieses Abenteuer. Ich ließ mich daher auch nicht von der Idee abbringen, obwohl mir oft vom Kauf eines Oldtimers abgeraten wurde und ich so gaaaar keine Ahnung von Autos hatte.
Ich habe mir den Traum – gemeinsam mit meinem Freund – erfüllt. Und trotz unerwarteter Entdeckungen beim Van-Ausbau, Staus bei Hitze ohne Klimaanlage und Pannen samt Abschleppdienst muss ich sagen: Der Oldtimerkauf war eine der besten Entscheidungen meines Lebens!
Mach es dir bequem, und ich erzähle dir, wie aus dem Überwachungsfahrzeug Mercedes-Benz 210 der gemütliche Camper Guschdl wurde.
Der passende Oldtimer als Basisfahrzeug
Bevor wir in das Projekt Camper-Ausbau starten konnten, brauchten wir zuerst einmal ein geeignetes Fahrzeug. In meiner Vorstellung war es immer ein sonnengelber oder orangefarbener VW T3. Und obwohl es am Ende ein knallblauer MB 210 wurde, war es Liebe auf den ersten Blick. Schon als wir zum Besichtigungstermin fuhren und ich das leuchtende Blau am Ende der Straße sah, wusste ich sofort: Der ist es.
Der Mercedes-Benz 210, Baujahr 1986, war rund 30 Jahre als Überwachungsfahrzeug bei der Polizei Stuttgart im Einsatz und befand sich in einem ziemlich guten Zustand. Unsere Vorbesitzer hatten am Ausbau kaum etwas verändert, weshalb der Laderaum noch sehr an die Einsatzzeiten erinnerte.
Darf ich vorstellen: Das ist Guschdl.
Angenehme Reisegeschwindigkeit: bei ca. 90 km/h
Spritverbrauch: ca. 12 l
Was uns überrascht hat: sehr kleiner Wendekreis
Es gab einen Schreibtisch, Anschlüsse für Kameras, ein Bett und jede Menge Stauraum – sehr funktional, aber definitiv nicht gemütlich. Und wirklich alles war schwarz gestrichen oder mit schwarzem Fleece ausgekleidet.
Ein kleines Detail fanden wir besonders schön: Die Vorbesitzer nannten den MB bereits Gustav. Der Name passte einfach – bodenständig, ein bisschen altmodisch, aber authentisch, genau wie das Fahrzeug selbst. Wir wollten den Namen unbedingt beibehalten. Und weil wir aus Süddeutschland kommen und im Schwäbischen ohne ein ordentliches „sch“ gar nichts geht, wurde aus Gustav ziemlich schnell Guschdl. Dabei handelt es sich um einen alten schwäbischen Spitznamen für Gustav.
Der Plan: Erst ein Mikroabenteuer, dann der Camper-Ausbau
Es war Sommer, und da man beim Campen ja eh die meiste Zeit draußen ist, wollten wir eigentlich erstmal nur eine neue Matratze kaufen, den Fleeceboden entfernen und direkt in ein erstes kleines Mikroabenteuer starten, die Zeit genießen und danach ganz entspannt mit dem Selbstausbau unseres Campers loslegen.
Tja, was soll ich sagen? Das Universum hatte andere Pläne.
Realitätscheck beim Camper-Ausbau: Ölfleck und Schimmel
Eigentlich wussten wir, dass man beim Camper-Ausbau immer mit Überraschungen rechnen muss. Dass es dann aber gleich so schnell geht, damit hätten wir nicht gerechnet. Unter dem Fleeceboden warteten nämlich gleich zwei unschöne Überraschungen auf uns: ein riesiger Ölfleck von der verbauten Hydraulikpumpe und eine verschimmelte Bodenplatte.
Rechts im Bild sieht man die Hydraulikpumpe und den riesigen Ölfleck auf der Bodenplatte.
Diese Ecke war immer wieder feucht. Auf der Unterseite der Bodenplatte hat sich dann der Schimmel gebildet.
Die Ursache für den Schimmel konnten wir uns zunächst nicht erklären. Erst nach einiger Zeit fielen uns immer wieder feuchte Stellen auf, und nach einer gefühlten Ewigkeit fanden wir schließlich den Grund dafür. In der Fahrerkabine gab es eine undichte Stelle, durch die bei Regen Wasser kam, das dann seinen Weg in den Laderaum fand und dort für Schimmel sorgte.
Sofort war klar, dass wir unsere Pläne ändern, die erste Ausfahrt verschieben und stattdessen direkt mit unserem eigentlichen Projekt loslegen.
Entkernung, Material sichten und aufbereiten
Um sicherzugehen, dass uns nicht noch mehr unerwartete Baustellen überraschen, haben wir damit angefangen, den gesamten Laderaum zu entkernen. Alles, was bereits verbaut war, kam einmal raus – inklusive etlicher Leerrohre und über 20 Kilo Kabelsalat.
Da wir für unseren Camper-Ausbau so viel Material wie möglich recyceln und erneut verwenden wollten, ging es anfangs nicht ganz so zügig voran wie erhofft. Die Mühe war es dennoch wert. Wir hatten Glück und konnten die gesamte Lattenkonstruktion an Wänden und Decke, sowie die vorhandene Holzverkleidung wiederverwenden.
Dafür bauten wir die Holzplatten aus, schliffen stundenlang sämtliche Farb- und Klebereste ab und konnten sie, nachdem sie frisch geölt waren und wie neu aussahen, wieder einsetzen.
Gleichzeitig wurde die Hydraulikpumpe ausgebaut und die undichte Stelle in der Fahrerkabine geschweißt. Erst als alles sauber, trocken und dicht war, ging es an den nächsten großen Schritt: die Bodenplatte.
Der Aufbau beginnt – neue Bodenplatte
Bei der Bodenplatte entschieden wir uns für eine wasserfeste Siebdruckplatte, bei der Dämmung fiel unsere Wahl auf Armaflex*. Glücklicherweise konnten wir während des Camper-Umbaus die Werkzeuge einer Zimmerei nutzen und wurden insbesondere beim Zuschnitt der Bodenplatte unterstützt. Ohne diese Hilfe hätte die Platte sicher nicht auf Anhieb gepasst.
Die Suche nach dem passenden Bodenbelag hat etwas gedauert. Aber irgendwann fanden wir einen abwischbaren PVC-Boden mit cooler Fliesenoptik*, der nicht nur praktisch ist, sondern auch optisch perfekt zu Guschdl passt und uns bis heute richtig gut gefällt.
Flexibles Camper-Setup für entspannte Urlaube
Uns war von Anfang an klar: Wir werden keine Vanlifer, die ihre Wohnung aufgeben und dauerhaft im Camper leben. Guschdl sollte uns auf Wochenendtrips und Schönwetter-Urlaube begleiten, und unser Camper-Setup zu unseren Bedürfnissen passen. Wir wollten einen minimalistischen, praktischen und trotzdem gemütlichen Ausbau. Daher entschieden wir uns bewusst gegen fest verbaute Elektrik oder eine Nasszelle und setzten stattdessen auf ein flexibles Setup.
Unser mobiles Camper-Setup:
- eine mobile Batterie/Ladestation*, die auch über Solarpanels* geladen werden kann
- eine hochwertige Kompressor-Kühlbox*
- flexibler Campingkocher, statt fest verbauten Kochfeldern
- Wasserkanister, statt fest verbautem Wassersystem
- eine mobile Toilette
Diese Lösung war für uns die perfekte Kombination aus Komfort und Flexibilität.
Der große Vorteil: Der Camper Ausbau wurde wesentlich einfacher und günstiger. Wir kamen relativ schnell voran, da Planung und Umsetzung nicht so aufwendig waren wie bei einem fest verbauten Setup.
Ein weiterer Pluspunkt: Batterie und Kühlbox nutzen wir nicht nur zum Campen, sondern auch bei Geburtstagen oder kleinen Festen.
Camper-Ausbau ohne Schiebetür
Fluch und Segen zugleich: Guschdls Laderaum hat weder eine Schiebetür noch seitliche Fenster. Zunächst stellte uns das bei der Planung, wo was hin soll, vor eine kleine Herausforderung. Schließlich fanden wir aber eine sinnvolle Aufteilung, mit der wir auch heute noch happy sind.
Auf der linken Seite befindet sich der Küchenschrank, dahinter viel Stauraum und später auch ein Kleiderschrank.
Rechts steht das Bett mit klappbarer Matratze und ausziehbarem Lattenrost, der auf der linken Seite aufgelegt werden kann.
Unter dem Bett ist jede Menge Platz für größere Gegenstände wie den Campingtisch mit Stühlen, einen Grill, unser SUP, usw.
Unser fertiger Oldtimer-Camper-Ausbau
Die Türen des unteren Stauraums lassen sich magnetisch schließen und können komplett abgenommen werden, sodass wir ganz entspannt ein- und ausräumen können. Dank des Wiener Geflechts kann die Luft gut zirkulieren.
Das Bett ist so gebaut, dass es mit wenigen Handgriffen komplett ausgebaut werden kann. So lässt sich der Camper auch ganz unkompliziert als Transporter nutzen. Die Matratze wird während der Fahrt mit einem Seil fixiert.
Die Kühlbox hat hier ihren festen Platz. Bei schlechtem Wetter können wir die Ecke mit einem Kissen aber auch als Sitzgelegenheit nutzen.
Der Küchenschrank war unser aufwendigstes Möbelstück – bekommt neben dem Boden aber auch die meisten Komplimente.
Hier sind Klamotten und Hygieneartikel untergebracht. Mein Highlight: das Holz in Kombination mit dem Kork der Trennwand.
Kosten für unseren Camper-Ausbau
Beim Ausbau haben wir konsequent darauf geachtet, möglichst viel vorhandenes Material wiederzuverwenden. Gerade beim Holz hat das wunderbar funktioniert – auch wenn die Aufbereitung sehr zeitintensiv war.
Zusätzliches Holz kam aus Omas Garage, Türknäufe und Wiener Geflecht für die Schranktüren fanden wir günstig über Kleinanzeigen. Stoffe für Vorhänge, Bezüge und Moskitonetze waren bei meiner Mama übrig – daraus habe ich genäht, was wir brauchten.
Unterm Strich lagen die Kosten für den fest verbauten Ausbau (Möbel, Verkleidung, Isolierung und Abdichtung ohne Schweißer-Reparatur) bei rund 700 €. Das mobile Camper-Setup (Ladestation*, Solarpanels*, Kühlbox*, usw.) lag bei etwas über 2.500 €, weitere Ausstattung wie Matratze, Körbe, Sonnensegel, Lichterkette und Co. bei etwa 350 €.
Insgesamt haben wir also etwa um die 3.550 € in Guschdls Ausbau investiert – wobei vieles davon auch unabhängig vom Campen genutzt wird.
Noch ein Hinweis: Wir haben unseren Campervan 2021/22 ausgebaut. Die Preise haben sich seither, insbesondere im Bereich der mobilen Ladestationen und Solarpanels, verändert. Unsere gewählten Produkte würden wir heute günstiger bekommen.
Hat sich der Oldtimer-Camper-Ausbau wirklich gelohnt?
Inzwischen sind wir mit Guschdl bis nach Griechenland gefahren, waren in Albanien und Montenegro unterwegs und haben für kürzere Urlaube auch mal Kroatien, Italien und Österreich unsicher gemacht. Unser Ausbau ist also sehr erprobt, und wir sind nach wie vor mehr als zufrieden damit. Er ist funktional, durchdacht und gleichzeitig richtig gemütlich – genau so, wie wir ihn uns damals vorgestellt haben.
Wir müssen aber auch zugeben: Auch wenn wir im Sommer oder bei schönem Wetter echt gerne mit Guschdl unterwegs sind, würde es uns so langsam auch reizen, bei etwas niedrigeren Temperaturen loszufahren. Dafür wäre es toll, wenn wir uns in der Übergangszeit oder an kühlen Abenden komfortabler im Camper aufhalten könnten.
Wenn wir heute noch einmal ganz neu starten würden, wäre ein Fahrzeug mit Stehhöhe vermutlich unsere erste Wahl – und eine Standheizung wäre auch ziemlich cool.
Aber ja, für uns hat es sich definitv gelohnt einen Oldtimer zum Camper umzubauen. Die Erinnerungen an den Ausbau, aber auch an die Urlaube, die wir damit erlebt haben sind unbezahlbar.
Der Vorher-Nachher-Vergleich spricht auch für sich oder?
Das Projekt Camper-Ausbau hat uns auf jeden Fall wahnsinnig viel Spaß gemacht. Es ist zwar nicht alles perfekt geworden, aber wir haben es selbst gemacht – und genau das macht Guschdl für uns so besonders. Jede Schraube und jede improvisierte Lösung erzählt ein Stück unserer Geschichte.
… und wer schreibt hier eigentlich?
Hannah – Campingkind, Künstlerin und Gründerin der Marke Hannibelle.
Wenn wir nicht gerade mit Guschdl unterwegs sind, sitze ich meist mit Stift und Papier da und zeichne ganz oldschool Outdoor-Motive – inspiriert von unseren Roadtrips durch Europa. Aus meinen Illustrationen entstehen mit Hilfe ausgewählter Produktionspartner:innen und nachhaltiger Materialien echte Lieblingsprodukte wie Emaille Tassen, Postkarten aus Graspapier oder Notizblöcke.
Einfach besondere Geschenkideen für alle, die auch gerne draußen unterwegs sind und Camping, Abenteuer und das Gefühl von Freiheit lieben.
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Hannah
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